Jahresbericht 2017

Vorwort

Schweizer Energie: Die Weichen sind gestellt – nun beginnt die Fahrt

2017 war für den VSE die Energiestrategie 2050 (ES2050) das prägende Thema. Dank dem Ja des Stimmvolkes kann der Fokus nun auf die nächsten dringenden Themen in der Schweizer Energiepolitik gerichtet werden: Wie definiert die Schweiz Versorgungssicherheit? Und wieviel Eigenversorgung ist dafür nötig, in einem offenen Strommarkt?

Die Umsetzung der ES2050 wird die Anpassung zahlreicher Branchendokumente erfordern

Die Verordnungen zur ES2050 treten ab 1. Januar 2018 in Kraft. Der VSE hat dazu eine umfangreiche Stellungnahme eingereicht. Die Umsetzung der ES2050 wird zudem die Anpassung zahlreicher Branchendokumente erfordern. Auch zum Thema Wasserzins hat der VSE Stellung genommen. Das veraltete, starre Wasserzins-Modell aus Monopolzeiten muss an die neue ökonomische Realität angepasst – also flexibilisiert – werden.

Flankierend zur ES2050 wurde kürzlich die Strategie Stromnetze verabschiedet. Der VSE hat die Strategie stets unterstützt und sich auch 2017 in den politischen Prozess eingebracht. Die Stromnetze sind der Blutkreislauf der Schweizerischen Stromversorgung. Unbürokratische und speditive Bewilligungsverfahren für Netzprojekte tun darum dringend Not. Ohne leistungsfähige Netze ist die Energiestrategie schlicht nicht denkbar.

In Zukunft dürften die leitungsgebundenen Energieträger Strom, Gas und Wärme näher zusammenrücken

2017 hat unsere Energiepolitik nicht an den Landesgrenzen Halt gemacht. Denn die Schweiz hat im November das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Wir stehen also in der Pflicht, unseren CO2-Ausstoss deutlich zu reduzieren. Vor diesem Hintergrund macht sich der VSE Gedanken zu einem Marktdesign, in dem zukunftsträchtige, saubere Energieträger wie die Wasserkraft ihre Stärken ausspielen können. Die Arbeit an unserer Ideenplattform für die Energiezukunft, den «Energiewelten», ist darum 2017 noch praxisnäher geworden. Zu unserem «Trend 2035» haben wir nun Marktmodelle erarbeitet. Diese können der Branche vor dem Hintergrund der tiefgreifenden Veränderungen als Orientierung dienen.

Und die nächsten Jahre? In Zukunft dürften die leitungsgebundenen Energieträger Strom, Gas und Wärme näher zusammenrücken. Die Sektoren Energie und Verkehr werden sich zudem enger verzahnen. Wir sprechen dabei von Netzkonvergenz und Sektorkopplung. Als Branchendachverband pflegen wir eine Gesamtbetrachtung des Themas Energie, die weit über den Strommarkt hinausgeht. Energie als vernetztes Gesamtsystem: Mit dieser Sichtweise wird der VSE auch die kommenden Herausforderungen in Angriff nehmen.

Michael Frank, Direktor VSE

Michael Wider, Präsident VSE

Das VSE-Jahr in Zahlen (Stand 31.12.2017)

Jahresertrag
12,5 Mio Franken
Dienstleistungsumsatz
45,2%
Mitarbeitende
42
Branchenmitglieder
351
Assoziierte Mitglieder
66

Diese Themen haben den VSE 2017 beschäftigt...

Energiestrategie 2050

Kampagnenphase

ES2050: Kampagnenphase

Energiestrategie 2050: Worum geht es überhaupt?

Die Energieversorgung ist weltweit im Umbruch: Erneuerbare Energien wie Wasserkraft, Sonne, Wind, Biomasse und Geothermie sind auf dem Vormarsch. Neue Technologien wie Batteriespeicher entwickeln sich rasant. Strom wird zunehmend von Kunden selbst produziert und ins Netz gespeist – etwa mittels eigener Solarzellen auf dem Gebäude. Um der Schweiz weiterhin eine sichere Versorgung mit Energie zu gewährleisten, haben die Stimmbürger per Volksabstimmung die Energiestrategie 2050 (ES2050) beschlossen. Diese ist am 1. Januar 2018 in Kraft getreten.

Die ES2050 fusst auf 3 Säulen:

  • Sie will erneuerbare Energien wie Wasser, Sonne, Wind, Geothermie und Biomasse fördern und ausbauen.
  • Sie enthält Massnahmen, um den Energieverbrauch zu senken und die Energieeffizienz zu erhöhen.
  • Sie verbietet den Bau neuer Kernkraftwerke. Die bestehenden Werke dürfen noch so lange laufen, wie sie betriebssicher sind.

Die Energiestrategie 2050 wurde am 21. Mai 2017 vom Schweizer Volk an der Urne klar angenommen.

ES2050: Kampagnenphase

Energiestrategie 2050: VSE hat sich aktiv eingesetzt

  • Der VSE hat die ES2050 aktiv unterstützt. Die Strategie ist ein klares Bekenntnis zu erneuerbaren Energien wie der Schweizer Wasserkraft, dem Rückgrat unserer Stromversorgung. Zudem entsteht mit der ES2050 ein solider Rechtsrahmen für den Umbau des Energiesystems.
  • Der VSE hat den mehrjährigen demokratischen Prozess hin zum ersten Massnahmenpaket der ES2050 mit seiner politischen Informations- und Beziehungsarbeit eng begleitet. Im Abstimmungskampf hat sich der Verband mit Pressearbeit, Inseraten, Podiumsdiskussionen, Referaten und Infomaterial für die Vorlage starkgemacht – gemeinsam mit anderen Befürwortern.

Die folgenden zentralen Branchenanliegen flossen schliesslich in die Energiestrategie 2050 ein:

ES2050-Einspeisevergütung
ES2050-Einspeisevergütung

...das System der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) für erneuerbare Energien wird marktnäher ausgestaltet und zeitlich befristet. Strom aus Erneuerbaren muss vermehrt direkt vermarktet werden.

ES2050-Wasserkraft
ES2050-Wasserkraft

...die einheimische Wasserkraft wird aufgrund ihrer Bedeutung und angesichts der schwierigen Marktlage befristet unterstützt. Sie ist heute und in Zukunft das Rückgrat der Schweizer Stromversorgung. Der Weiterbestand der bestehenden Wasserkraft ist die Voraussetzung für die Umsetzung der Energiestrategie 2050.

ES2050-Gesetz
ES2050-Gesetz

...gesetzliche Leitplanken stehen. Die wichtige Diskussion rund um Eigenversorgung und Versorgungssicherheit der Schweiz kann dank der Energiestrategie zielgerichtet geführt werden. Subsidiäre Regelungen durch die Branche stehen für den VSE im Vordergrund.

ES2050: Kampagnenphase

Das Energiestrategie-JA-Lager im Abstimmungskampf

Bildergalerie

Energiestrategie 2050

Umsetzungsphase

ES2050: Umsetzungsphase

Verordnungen zur ES2050: Der VSE hat gezielt Stellung bezogen

Die Strombranche spielt bei der Umsetzung der Energiestrategie 2050 eine zentrale Rolle. Sie ist in zahlreichen Kernbereichen direkt von der Strategie betroffen. Darum hat sich der VSE im Vernehmlassungsverfahren zu den Verordnungstexten der Energiestrategie 2050 kritisch eingebracht.

Insbesondere hat der Verband:

... praxistaugliche Lösungen skizziert

... auf gesetzeskonforme Regelungen gepocht

... praktikable Übergangsfristen gefordert

Anfang November 2017 hat der Bundesrat die Verordnungen verabschiedet, so dass die Energiestrategie 2050 am 1. Januar 2018 in Kraft treten konnte. Diverse vom VSE monierte Aspekte wurden aufgegriffen und praxisnäher ausgestaltet. Doch in einigen zentralen Punkten bleiben die Verordnungen zur ES2050 suboptimal und unklar. Die Umsetzung in der Praxis wird die Branche und die Aufsichtsbehörden 2018 stark fordern.

ES2050: Umsetzungsphase

Informiert bleiben über die Energiestrategie – mit dem VSE

- Damit Sie den Überblick zu den wichtigsten Themen behalten, hat der VSE 2017 diverse Tagungen veranstaltet – und das Online-Nachschlagewerk zur Energiestrategie 2050 entworfen.

- Das Nachschlagewerk fasst für Sie alle Neuerungen zu den wichtigsten Themen kompakt zusammen. Zudem finden Sie dort die relevanten Gesetzes- und Verordnungsartikel.

- Branchenempfehlungen werden ergänzt, sobald die Dokumente überarbeitet sind. Die Kapitel «weiterführende Informationen» und «FAQ» werden laufend ausgebaut.

glühbirnen
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Die weiterführenden Informationen des Online-Nachschlagewerks sind exklusiv für Mitglieder des VSE.

Sie sehen den Inhalt der weiterführenden Seiten nach dem Login mit Ihren Extranet-Daten.

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Kapitelübersicht

  • Abnahme- und Vergütungspflicht
  • Daten für Monitoring
  • Herkunftsnachweis und Stromkennzeichnung
  • Eigenverbrauch
  • Flexibilitäten
  • Förderinstrumente
  • Messwesen
  • Nationales Interesse
  • Netztarifierung
  • Netzzuschlag / Vollzugsstelle / Abwicklung Einspeisevergütungssystem

Die Wasserkraft

Rückgrat der Energieversorgung

Wasserkraft

Film: Schweizer Wasserkraft – unser bester Trumpf

Die Schweizer Wasserkraft ist systemrelevant für die Schweizer Stromversorgung – heute und erst recht in der Zukunft. Denn die Wasserkraft ist nicht nur erneuerbar und praktisch CO2-frei, sondern auch gut speicherbar. «Die Wasserkraft ist unser bester Trumpf für die erfolgreiche Umsetzung der Energiestrategie 2050», sagt Michael Frank, Direktor des Verbands Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen VSE, im Kurzfilm. Der Film des VSE und des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbands SWV erklärt Zusammenhänge und zeigt auf, weshalb es faire Rahmenbedingungen für die einheimische Wasserkraft braucht, damit sie angesichts globaler Marktverzerrungen wieder rentabel werden kann.

Wasserkraft

Die Wasserkraft: Zentral für die Energiestrategie 2050

  • Strom aus erneuerbarer Quelle hat in der Schweiz schon lange Tradition – dank der Schweizer Wasserkraft. Die Erschliessung der Wasserkraft begann im 19. Jahrhundert in St. Moritz. Noch zu Beginn der 1970er-Jahre stammten – auf der Basis der mittleren Produktionserwartung – fast 90% der inländischen Stromproduktion aus Wasserkraft.
  • Heute produzieren mehr als 600 Wasserkraftwerke knapp 60% unseres heimischen Stroms. Neben Österreich und Norwegen zählt die Schweiz damit zu den Spitzenreitern punkto Strommix-Anteil der erneuerbaren und CO2-freien Wasserkraft. Wir sind das «Wasserschloss Europas».
  • Die Energiestrategie 2050 will diesen Weg weitergehen. Sie sieht den Bau neuer Wasserkraftwerke mit einer Gesamtproduktion vor, die für die grösste Stadt Zürich genügen würde. Wasserkraft ergänzt die anderen Erneuerbaren, wie Wind und Sonne, ideal. Sie liefert stetigen Strom – und kann unregelmässig produzierten Strom aus Sonne und Windkraft speichern.

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Wasserkraft

Lohnender Einsatz des VSE: Energiestrategie 2050 stützt die Wasserkraft

Aktuell ist die Schweizer Wasserkraft in einer prekären wirtschaftlichen Situation. Systemrelevante Wasserkraftwerke müssen ihren Strom oft zu einem Preis absetzen, der unter den Gestehungskosten liegt. International tiefe Energiepreise, europaweite Subventionen für andere Erneuerbare und tiefe CO2-Preise haben zu dieser schwierigen Lage beigetragen.

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Der VSE hat sich stets politisch und medial dafür eingesetzt, dass die Energiestrategie 2050 (ES2050) den Erhalt und Ausbau der Wasserkraft ermöglicht. Mit Erfolg:

  • Die Wasserkraft erhält dank der ES2050 Investitionsbeiträge. Damit werden Neuanlagen, erhebliche Erweiterungen und Erneuerungen gefördert.
  • Wasserkraftwerke erfahren eine auf 5 Jahre befristete Unterstützung, falls sie ihre Produktion unter den Gestehungskosten am Markt absetzen müssen (die sogenannte Marktprämie). Die 120 Millionen Franken dafür werden aus dem Netzzuschlag finanziert, der Teil jeder Stromrechnung ist.
  • Die Wasserkraft geniesst per Gesetz «nationales Interesse». Andere Interessen, wie der Naturschutz, müssen also gegen den Bau von wichtigen neuen Anlagen abgewogen werden.

Diese Massnahmen genügen leider noch nicht, um die Handlungs- und Investitionsfähigkeit der Schweizer Wasserkraft in Zukunft zu garantieren. Substanzerhalt und Reinvestitionen sind zum heutigen Zeitpunkt gefährdet. Darum wird sich der VSE weiterhin für diese erneuerbare Energieform einsetzen.

Wasserkraft

Entgelt für die Wasserkraft: VSE strebt flexiblen Wasserzins an

Als «Kampf um 550 Millionen Franken» wird sie oft beschrieben – die Debatte um den Wasserzins in der Schweiz. Dabei geht es um die Abgabe, die Wasserkraftproduzenten an Kantone und Gemeinden zahlen – für die Nutzung von Wasser zur Stromproduktion. Diese Abgabe ist sinnvoll und richtig – doch die Berechnungsmethode dahinter muss sich dringend ändern.

Das Problem: Der Wasserzins berechnet sich nach einer hundert Jahre alten Regel aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Kraftwerksbetreiber zahlen einen fixen Betrag, multipliziert mit der mittleren Bruttoleistung ihres Kraftwerks. Doch die Betreiber operieren längst in einem extrem dynamischen, europäischen Markt – der schon für Grosskunden geöffnet ist. Und die Preise für Strom sind derzeit extrem tief. Häufig decken darum die Stromerlöse nicht einmal die Gestehungskosten des Wasserstroms. So ist die Zukunft der Wasserkraft bedroht.

Die Lösung: Der Wasserzins muss ein Konstrukt werden, das der heutigen Marktlogik Rechnung trägt. Ein fixer Teil für die Nutzung des Wassers ist eine Komponente davon. Komplettiert wird die Rechnung durch einen variablen Teil – abhängig vom Marktpreis für Wasserstrom. Wenn die Strompreise tief sind, wird auch weniger Wasserzins fällig. Die Produktion wird sachlogisch entlastet. Steigen die Preise hingegen, können die Gemeinden deutlich mitprofitieren. Heute bleibt der Wasserzins ausschliesslich an den Unternehmen hängen, die bei den aktuellen Marktpreisen Verluste schreiben.

«Wenn wir bewahren wollen, was wir haben, müssen wir Vieles ändern», sagte VSE-Präsident Michael Wider am Stromkongress im Januar 2018. Der VSE wird sich weiterhin mit Nachdruck dafür einsetzen, dass der Wasserzins mit der neuen Regelung ab 2020 flexibilisiert wird.

Strategie Stromnetze

Strategie Stromnetze

Das Schweizer Stromnetz: Der Blutkreislauf unserer Stromversorgung

Ein gut ausgebautes und unterhaltenes Stromnetz ist essenziell für die Schweizer Versorgungssicherheit. Über 6750 km Länge erstreckt sich das Schweizer Übertragungsnetz – das entspricht etwa der Distanz zwischen Zürich und New York.

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Das Schweizer Verteilnetz bringt den Strom in die Betriebe und Haushalte – und bleibt dabei weitgehend unsichtbar. 170'000 km oder 85% des ganzen Verteilnetzes befinden sich im Boden. Insgesamt misst unser Verteilnetz 200'000 km – es liesse sich also etwa 6 Mal um die Erdkugel legen.

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Das Stromnetz steht mit dem Ausbau der dezentralen und fluktuierenden Produktion – etwa Strom aus Sonnenenergie, vor grossen Herausforderungen. «Eine sichere Stromversorgung setzt stets einen abgestimmten Rahmen für Produktion, Netze und Speicherung voraus», so Michael Frank, Direktor des VSE. «Die veränderte Produktion, neue Verbrauchsmuster sowie der technische Fortschritt machen einen durchdachten, bedarfs- und zeitgerechten Um- und Ausbau der Netze unabdingbar.»

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Strategie Stromnetze

Wozu die Strategie Stromnetze?

Der Umbau des Energiesystems hin zu mehr erneuerbarer, dezentraler Produktion ist in vollem Gang. Das Energiesystem wird dadurch komplexer – und die Stromproduktion aus Wind und Sonne ist schwerer vorhersagbar als etwa Kernkraft. Die Netze müssen mit dieser Entwicklung Schritt halten können. Leistungsfähige Leitungen im Übertragungsnetz sind zentral für die überregionale und internationale Verteilung von Strom. Unsere Versorgungssicherheit hängt von ihnen ab. Doch Netzprojekte leiden unter immensen Bewilligungsdauern von bis zu 30 Jahren – ein unhaltbarer Zustand für eine lebenswichtige Infrastruktur.

Das Bundesgesetz über den Um- und Ausbau der Stromnetze, kurz «Strategie Stromnetze», nimmt sich des Problems an. Die Strategie legt den Grundstein, damit das richtige Netz zur richtigen Zeit zur Verfügung stehen kann.

Sie...

  • sieht unbürokratische und speditive Bewilligungsverfahren vor.
  • stellt die Netzentwicklung auf neue Grundlagen und nimmt den Bund, den Regulator und die Branche in die Verantwortung.
  • schafft mehr Planungs- und Rechtssicherheit – das A und O für Investitionen in langfristige Projekte, wie den dringend nötigen Um- und Ausbau der Netze.
  • überträgt Bund und Kantonen neue Aufgaben, u.a. im Bereich der Informationsarbeit. Gute Information verbessert das Verständnis und die Akzeptanz für Netzbauprojekte.

Strategiestromnetze-Warum
Strategiestromnetze-Warum

Das Parlament hat die Strategie Stromnetze am 15. Dezember 2017 verabschiedet.

Strategie Stromnetze

Polit-Arbeit des VSE: Strategie Stromnetze konsequent unterstützt

  • Der VSE hat die Strategie Stromnetze inhaltlich begleitet und die Anliegen der Strombranche in den politischen Prozess eingebracht. Er hat dabei in verschiedenen Detailfragen Präzisierungen erreicht, welche die Rahmenbedigungen für die Stromnetze weiter verbessern werden.
  • Im Rahmen der Strategie Stromnetze wurde zudem der Absatz von Wasserkraft in der Grundversorgung neu geregelt. Dadurch werden Widersprüche in den bestehenden gesetzlichen Regeln zur Unterstützung der notleidenden Wasserkraft ausgeräumt.
  • Der VSE hat die Strategie Stromnetze stets aktiv unterstützt und deren Wichtigkeit hervorgehoben. Er erachtet die Strategie als ein Bekenntnis zum Stellenwert der Stromnetze, zur Notwendigkeit ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz und zu unbürokratischen und speditiven Bewilligungsverfahren.

Strategie Stromnetze

Strategie Stromnetze angenommen: Ein gutes Signal

Die Stromnetze sind der Blutkreislauf der Stromversorgung. Trotzdem führen sie in der öffentlichen Wahrnehmung gleichsam ein Schattendasein. Politisch stehen meist die Stromproduktion und ihr Marktumfeld im Fokus. Gesellschaftlich werden die Netze am ehesten als Kristallisationspunkt des Widerstands gegen Höchstspannungs-Freileitungen wahrgenommen.

Zu Unrecht! Denn ohne Netz kommt der Strom nicht zum Endkunden – daran vermag vorderhand auch der steigende Anteil an dezentraler Produktion nichts zu ändern. Es ist deshalb an der Zeit, auch dem Netz die nötige Aufmerksamkeit zu schenken.

Es ist an der Zeit, auch dem Netz die nötige Aufmerksamkeit zu schenken

Die voraussichtlich im Dezember bevorstehende Verabschiedung der Strategie Stromnetze durch die Eidgenössischen Räte ist diesbezüglich ein gutes Signal. Sie ist komplementär zur Energiestrategie 2050 und schafft wichtige Voraussetzungen, damit die Stromnetze zeit- und bedarfsgerecht bereitgestellt werden können. Als wesentliche Neuerung zu nennen ist insbesondere, dass die Netze neu nationales Interesse erhalten können. Sie ziehen damit gleich mit den erneuerbaren Energien. Bund und Kantone müssen sich zudem vermehrt im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit engagieren. Die Einführung des Mehrkostenfaktors schliesslich schafft ein klares, quantifizierbares Kriterium für den Entscheid zwischen Verkabelung und Freileitung im Verteilnetz.

Die Netze können neu nationales Interesse erhalten

Ein Wermutstropfen bleibt, konnten doch verschiedene wichtige Branchenanliegen für weitergehende Verfahrensvereinfachungen nicht vertieft diskutiert werden. So wurde die Auseinandersetzung mit den eigentlichen Inhalten der Strategie völlig überlagert durch das politische Seilziehen um die – zugegebenermassen ebenso wichtige – Frage des Absatzes von Wasserkraft in der Grundversorgung. Nichtsdestotrotz ist und bleibt die Strategie Stromnetze richtig und wichtig. Sie ist das Bekenntnis des Bundes zum Stellenwert der Stromnetze, zur Notwendigkeit ihrer gesellschaftlichen Akzeptanz und zu unbürokratischen und speditiven Bewilligungsverfahren. Darauf lässt sich für die Zukunft aufbauen.

Dominique Martin, Bereichsleiter Public Affairs

Versorgungssicherheit

Versorgungssicherheit

Versorgungssicherheit: Jetzt die richtigen Fragen stellen

Wie ersetzt die Schweiz die wegfallende Kernkraft? Wird der Ausbau der Erneuerbaren zeitgerecht erfolgen? Braucht das Land Gaskombikraftwerke? Die Diskussion um unser Energiesystem ist wichtig und richtig. Doch noch wird zu fest auf Einzelaspekte fokussiert. Den VSE beschäftigt die Gesamtsicht.

Umweltfreundlich, wirtschaftlich, zuverlässig: Das sind die Anforderungen an eine nachhaltige Stromversorgung. Den grössten Beitrag dazu leistet unsere bewährte Wasserkraft, die 60% der Produktion abdeckt. Doch das Gleichgewicht unserer Versorgung ist saisonal fragil. Im Sommer produziert die Schweiz selbst genügend Strom – und kann gar exportieren. Im Winter führen die Flüsse jedoch viel weniger Wasser. Die entstehende Lücke füllen wir mit Stromimporten aus den Nachbarländern. Vor allem Deutschland und Frankreich liefern uns Elektrizität.

Doch diese Bezugsquellen sind nicht in Stein gemeisselt. In Deutschland wird wohl schon 2022 das letzte Kernkraftwerk (KKW) ausser Betrieb genommen. Zudem erwartet der Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E), dass die Zahl der Kohlekraftwerke bis 2025 abnimmt. Die steuerbaren Produktionskapazitäten in unserem nördlichen Nachbarland sind also rückläufig. Deutschland könnte durchaus zum Nettoimporteur mutieren. Nachbar Frankreich bestreitet derweil 75% seiner Produktion mit Kernkraftwerken. Diese werden ab 2025 bis 2050 das Ende ihrer Laufzeit erreichen. Der Nettoexport des Landes dürfte damit bis 2030 auf die Hälfte sinken. Generell arbeiten viele europäische Länder daran, sogenannte Kapazitätsmechanismen einzuführen. Deren Ziel: So produzieren, dass der eigene Bedarf jederzeit gedeckt werden kann.

Unsere Stromimport-Bezugsquellen sind nicht in Stein gemeisselt

Vor diesem Hintergrund braucht es in der Schweiz die Diskussion um Versorgungssicherheit. Aber Fragen wie «Gaskombikraftwerke Ja/Nein» haben nicht die nötige Flughöhe. Es gibt grosse Themen, in denen Politik und Branche sich vorgängig finden müssen. Welches Ziel verfolgt die Schweiz in Bezug auf Versorgungssicherheit? Und wie will sie dieses Ziel erreichen? Diese zwei Schlüsselfragen sind nach der Annahme der ES2050 noch nicht beantwortet. Mit nur 19 Minuten Stromunterbruch pro Stromkunde und Jahr bieten wir eine äusserst hohe Versorgungssicherheit im internationalen Vergleich. Wollen wir an diesen Standard anknüpfen? Wenn ja: Welche Schritte sind dazu nötig – und bis wann? Zentral sind zudem Risikoabwägungen. Welche Risiken in Bezug auf Versorgungssicherheit nimmt die Schweiz bereitwillig in Kauf? Eine höhere Abhängigkeit vom Ausland kann günstiger sein als unsere Eigenproduktion. Doch sie ist auch klar riskanter. Netzengpässe in Europa liegen ausserhalb des Handlungsspielraums der Schweiz. Sie beeinflussen aber sehr direkt unsere Import-Chancen.

Langfristig lässt sich die hohe Sicherheit von heute nur mit ausreichend eigenen Kapazitäten erreichen

Der VSE will heute wie in Zukunft eine hohe Versorgungssicherheit bei Strom. Sie ist unbestritten ein wichtiger Standortfaktor für Gewerbe und Industrie. Kurzfristig braucht es deshalb Sofortmassnahmen, damit notleidende Wasserkraftwerke wieder handlungsfähig werden. Langfristig lässt sich die hohe Sicherheit von heute nur mit ausreichend eigenen Kapazitäten erreichen. Die Schweizer Kernkraft wird aus dem Produktionsmix verschwinden, so will es die Energiestrategie 2050. Die Schweizer Wasserkraft hingegen bleibt das Rückgrat unserer Eigenversorgung. Sie braucht ergo ein Marktdesign, das ihre tragende Rolle würdigt. Das ist ein komplexes Ziel mit vielen verschiedenen Anspruchsgruppen. Der Weg dorthin beginnt mit den richtigen Fragen.

  • Welches Ziel verfolgt die Schweiz in Bezug auf Versorgungssicherheit?
  • Wie wollen wir unsere gewünschte Versorgungssicherheit erreichen?
  • Welche Schritte sind bis wann nötig, um diese Versorgungssicherheit zu erreichen?
  • Welche Versorgungsrisiken nehmen wir bereitwillig in Kauf?

Versorgungssicherheit

Top-Themen der Energiepolitik: Strommarktdesign im Kreuzfeuer

Die wichtigsten Themen der Energiepolitik, hochkarätige Referenten, Podiumsdiskussionen: Der Anlass Top-Themen der Energiepolitik ist der Treffpunkt für alle, die an Fakten, Hintergründen und Meinungen zur Energiepolitik interessiert sind. 2017, im Zunfthaus zur Waag in Zürich, ging es um Verordnungen der Energiestrategie 2050, die Strategie Stromnetze, die Strommarktöffnung und das Stromversorgungsgesetz. Der Bund nahm am Anlass direkt Stellung zum Thema «Versorgungssicherheit der Schweiz bis 2035».

Debatte: Strommarktdesign im politischen Kreuzfeuer

Strommarktdesign: Das BFE kritisch befragt

Versorgungssicherheit

Top-Themen der Energiepolitik: Die Bilder vom Anlass

Versorgungssicherheit

Grundversorgung grünblau: Eine Meinung zur Versorgungssicherheit

In Deutschland ist sie in vollem Gange und auch bei uns nimmt sie Fahrt auf: die Diskussion um die sogenannte Sektorkopplung, also die Kopplung der Sektoren Strom, Gas, Wärme, Mobilität und industrielle Prozesse mit verschiedenen Technologien. Die vorrangigen Ziele sind dabei die Dekarbonisierung, die Integration der erneuerbaren Energien und der Flexibilitäten in einem übergreifenden System zur Steigerung der Gesamtenergieeffizienz.

Die Substitution fossiler durch elektrische Anwendungen, beispielsweise durch Einsatz von Wärmepumpen statt Ölheizungen, wird zunächst vor allem eins bedeuten: eine Erhöhung des Stromverbrauchs. In Deutschland wird davon ausgegangen, dass die Dekarbonisierung insbesondere im Gebäude- und Mobilitätsbereich den Stromverbrauch um 30 % ansteigen lässt.

Zur Deckung des Stromverbrauchs empfiehlt das UVEK – unterlegt durch Studien, erschienen Ende 2017 – im Wesentlichen die Einbindung der Schweiz in den EU-Binnenmarkt, eine vollständige Strommarktöffnung und allenfalls die Einführung einer strategischen Reserve.

Sektorkopplung: Strom, Gas, Wärme, Mobilität und industrielle Prozesse koppeln

Der VSE zweifelt, ob diese Massnahmen ausreichen, um im heutigen Marktumfeld die Versorgungssicherheit aufrechterhalten oder gar die Ziele der Energiestrategie 2050 und der CO2-Minderungsziele erreichen zu können.

Das Parlament hat das offenbar ähnlich beurteilt und mit der Verabschiedung der Strategie Stromnetze Ende 2017 ermöglicht, dass Strom aus erneuerbaren Energien einschliesslich Wasserkraft dem Endverbraucher kostendeckend geliefert werden kann. Dadurch wird in einem eingeschränkten Bereich eine Investitionssicherheit zugunsten der Versorgungssicherheit, der Energiestrategie 2050 und der CO2-Reduktion geschaffen.

Die Fortführung dieses Gedankens im Falle einer vollständigen Strommarktöffnung wäre, jenen Endverbrauchern, die weiter in der Grundversorgung bleiben wollen, ausschliesslich Strom aus schweizerischen erneuerbaren Energien, einschliesslich Wasserkraft, zu liefern. Mit dieser grünblauen Grundversorgung könnte zumindest ein Teil der Ziele der Energiestrategie 2050, der CO2-Reduktion und der Erhöhung der Versorgungssicherheit verfolgt werden.

Stefan Muster, Bereichsleiter Wirtschaft und Regulierung

OSTRAL

OSTRAL

Mehrere wesentliche Stromproduzenten in der Schweiz sind ausgefallen. Es herrscht Energiemangel. Was könnten die Gründe sein?

Die Gas- und Kohleversorgung für Europa ist eingeschränkt... die Stauseen sind leer wegen trockenem Wetter... es hat wenig Wind und Sonne... der Winter ist äusserst kalt... Die Energie fehlt in ganz Europa – es ist kein Import möglich!

Lösung: Der Bund ordnet Massnahmen an – wir haben eine OSTRAL-Situation.

OSTRAL ist eine Kommission des VSE unter Aufsicht des Bundes. Im Falle von lang andauernden Mangellagen vollzieht OSTRAL die vom Bund angeordneten Massnahmen: Angebotslenkung & Verbrauchslenkung. OSTRAL lenkt also dann das Stromangebot und unseren Stromverbrauch.

Angebotslenkung

  • Zentrale Steuerung der Stromproduktion
  • Zentrale Bewirtschaftung der Stauseen
  • Aussetzung des Handels

Verbrauchslenkung

  • Sparappelle an Wirtschaft und
  • Bevölkerung
  • Anwendungseinschränkungen und -verbote
  • Kontingentierung
  • Netzabschaltungen
  • Exportbeschränkungen

Mehr Informationen: www.ostral.ch

OSTRAL

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Neue OSTRAL-Verantwortliche beim VSE: «Wir haben erfolgreich den Ernstfall geprobt»

Der Bund hat den Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen (VSE) beauftragt, die notwendigen Vorbereitungen zur Bewältigung einer Strommangellage zu treffen. Der VSE hat zu diesem Zweck OSTRAL ins Leben gerufen. Seit Februar 2017 leitet Susanne Weidmann beim VSE die Fachstelle dieser «Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen». Doch was bedeutet das konkret? Die diplomierte Elektroingenieurin gibt im Interview Einblick in ihre tägliche Arbeit.

Susanne Weidmann, für den Schweizer Stromkunden ist es eine ausserordentliche Lage, wenn zuhause die Lichter unverhofft ausgehen. Hat Ihre Arbeit damit zu tun?

Nein, mit einem Stromunterbruch oder «Blackout» hat OSTRAL nichts zu tun. Die Organisation kommt nur im Fall von absehbaren, schweren Mangellagen zum Einsatz, welche die Energieversorger selbst nicht bewältigen können. Nehmen wir zum Beispiel den Fall, dass unsere Stauseen leer wären – und wir auch kaum aus Europa Strom importieren könnten. Das Stromversorgungsgesetz verpflichtet alle Netzbetreiber, den Endkunden genügend Energie zur Verfügung zu stellen. Den Netzbetreibern fehlt daher das Recht, Endkunden zum Energiesparen zu verpflichten.

Bei einer Mangellage wird also dazu aufgerufen, Strom zu sparen?

Die Wirtschaftliche Landesversorgung (WL) und der Bundesrat beschliessen in einer solchen Situation Massnahmen. OSTRAL setzt diese Massnahmen mit den Netzbetreibern und Kraftwerksbetreibern um. Verschiedene Stromsparmassnahmen sind möglich. Einsparappelle an die Bevölkerung, den eigenen Stromverbrauch freiwillig zu senken, könnten rasch umgesetzt werden.

Mit einem Stromunterbruch oder «Blackout» hat OSTRAL nichts zu tun

Das klingt noch nicht dramatisch. Und nützt es überhaupt?

Wirklich ernst wird es, wenn eine schwere Strommangellage effektiv eintritt und ein krasses Missverhältnis von Stromnachfrage und -angebot besteht. Wenn der Markt deswegen aus den Fugen gerät, ruft der Bund den höchsten Bereitschaftsgrad für OSTRAL aus. Dies bedingt die Inkraftsetzung der Verordnung über die Elektrizitätsbewirtschaftung (VEB), die das Stromversorgungsgesetz teilweise übersteuert. Nur dann können weiterführende Massnahmen wie beispielsweise Verbrauchseinschränkungen von Einrichtungen wie Rolltreppen, Saunas oder Klimaanlagen durch den Bundesrat angeordnet werden.

Und was sind dann die Folgen für die Schweiz?

Die bevorzugte Massnahme ist die Kontingentierung. Grossverbraucher, wie zum Beispiel Industriebetriebe und Gewerbe, erhalten damit eine Verfügung, wieviel Strom sie einsparen müssen. Doch in allerletzter Instanz, wenn auch die Kontingentierung nicht zu den gewünschten Stromeinsparungen führt, könnte und müsste man Netzgebiete teilweise und temporär abschalten. Diese Massnahme hätte schwere wirtschaftliche Folgen, wäre aber immer noch besser, als eine Schweiz ganz ohne Strom. Vorgängig werden aber auf jeden Fall alle Massnahmen mit geringerer Tragweite ausgeschöpft.

Zurück zur Normalität: Wie sieht ein typischer Tag einer OSTRAL-Verantwortlichen aus?

In der OSTRAL-Organisation unterstütze ich die Führung. Ich organisiere Sitzungen, an denen ich ebenfalls teilnehme, beispielsweise zum Thema Verbrauchslenkung. Zudem wirke ich bei der Erarbeitung von Konzepten mit, führe Schulungen durch – und bewirtschafte die E-Mail-Adresse, an welche sich alle Elektrizitätsversorgungsunternehmen (EVU) im OSTRAL-Verbund wenden können. Oder wir proben gleich den Ernstfall...

Den Ernstfall?

Eine grosse Aufgabe 2017 war die Vorbereitung und Durchführung einer Stabsübung. Wir haben also eine simulierte Mangellage-Situation bewirtschaftet, die sich zusehends verschärft hat. Die OSTRAL-Melde- und Triagestelle (OMT) des VSE, für die ich verantwortlich bin, stand im Fokus dieser Übung. Es hat sich gezeigt, dass die OMT für ihre Aufgaben im Ernstfall gut vorbereitet ist.

Wenn der Markt aus den Fugen gerät, ruft der Bund den höchsten OSTRAL-Bereitschaftsgrad aus

Und was sind die Herausforderungen 2018?

Es stehen Arbeiten an, bestehende Konzepte zu erweitern beziehungsweise zu vertiefen – etwa zum Thema Kontingentierung. Zudem wird die Kommunikation mit den Elektrizitätsversorgern ein Thema sein. Und wir gehen eine mögliche Anpassung der OSTRAL-Organisation seitens der Netzbetreiber an.

OSTRAL

Stabsübung OSTRAL: Impressionen

Energiewelten

Energiewelten

Energiewelten statt Prognosen: Der VSE denkt die Energiezukunft

  • Wie könnte unser Energiesystem 2035 aussehen? Welche Markt- und Geschäftsmodelle haben Aussichten auf Erfolg? Welche Rolle wird die Wasserkraft spielen?
  • Der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen nimmt sich dieser Fragen an. 2017 hat der VSE den Bericht «Energiewelten» fertiggestellt. Der Bericht beschreibt vier extreme, aber denkbare Energiewelten der Zukunft.
  • Trust World? Trade World? Local World? Smart World? Nehmen Sie Platz, und tauchen Sie mit uns in die Zukunft ein. Ob Holzstuhl, Tech-Stuhl, Flugzeugsitz oder Fernsehsessel – auf jeder Sitzgelegenheit nehmen Sie eine andere Haltung und Perspektive ein.

Trust World

Trade World

Local World

Smart World

Wollen Sie mehr wissen: www.energiewelt.ch

Energiewelten

  • Damit die Energiewende gelingt, müssen alle Teile des Energiesystems effizient ineinandergreifen. Eine besondere Rolle spielt dabei die Verbindung von Strom, Wärme, Gas und Verkehr zu einem Gesamtsystem. Diese vier Sektoren lassen sich koppeln – also gemeinsam optimieren.
  • Mit Power-to-Gas, eine der vielversprechendsten Technologien der Sektorkopplung, kann Strom in Form von Gas über lange Zeit gespeichert werden. Aus Stromüberschüssen wird mittels Elektrolyse Wasserstoff respektive Methan.
  • Wasserstoff lässt sich z.B. in der Mobilität (Wasserstoffautos) und in der Wärmeversorgung einsetzen. Oder er dient der Stromherstellung, wenn die Produktion aus erneuerbaren Energien gerade tief ist. Methan ist Erdgas – es kann ins Erdgasnetz eingespeist werden.
  • Sektorkopplung ist damit ein wichtiger Treiber der Energiewelt von morgen. Sie verringert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen in den Sektoren Wärme und Verkehr. Wird Strom genutzt, statt Öl, Benzin und Diesel verbrannt, sinken die Emissionen des Treibhausgases CO2.
  • Der VSE spricht sich für eine geeignete Einbindung von dezentraler Produktion, Speicherung und Verbrauch in ein Gesamtsystem aus. Die Sektorkopplung ist ein wichtiges Element zur Umsetzung der Energiestrategie 2050 – und zur Erreichung der Klimaziele von Paris.

Energiewelten

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Stefan Muster, Chefökonom VSE: «Drei Megatrends prägen die Energiezukunft»

Das VSE-Projekt Energiewelten will über theoretische Betrachtungen hinausgehen. So gibt der «VSE Trend 2035» etwa Hinweise darauf, welches Marktmodell in knapp 20 Jahren erfolgreich sein könnte. Doch was beinhaltet dieser Trend? Ein Interview mit Stefan Muster, Leiter Wirtschaft und Regulierung beim VSE.

Stefan Muster, welche Trends werden die Energiewelt von morgen bestimmen?
Im Moment sind drei Megatrends zu beobachten. Erstens führt die zunehmende Nutzung der erneuerbaren Energien zu dezentralen Strukturen. Technologische Fortschritte, sinkende Kosten und die fortschreitende Digitalisierung begünstigen das. Die Energienetze und Sektoren wie Energie und Verkehr wachsen zusammen, wir sehen also Netzkonvergenz und Sektorkopplung. Zweitens wurde der Wille zur Minderung der CO2-Emmissionen durch die Unterzeichnung des Pariser Klimaschutzabkommens (COP 21) und der Vorlage zum CO2-Gesetz manifestiert. Drittens verringert sich die Versorgungssicherheit beim Strom ohne Gegenmassnahmen erheblich. Dafür verantwortlich sind das fehlende Stromabkommen, die Unsicherheit bezüglich zukünftiger Stromimporte und die sinkende Investitionsfähigkeit der Stromproduzenten.

Das klingt immer noch reichlich abstrakt – wie sieht die Energiewelt 2035 aus?
2035 leben wir in einer Energiewelt, die weitgehend auf dezentralen Strukturen beruht. Nach wie vor wichtig und unverzichtbar in der Stromversorgung ist die Wasserkraft. Die CO2-Abgaben sind mittlerweile horrend, denn die Gesellschaft in der Schweiz und Europa sah die Dringlichkeit zur CO2-Reduktion aufgrund der Klimaerwärmung als erste Priorität. Fossile Energien werden noch dort eingesetzt, wo keine Alternativen bestehen. Die Sektorkopplung wird gelebt und ist Alltag. Im Gebäudebereich ist der Einsatz von fossilen Energien die Ausnahme. In der Mobilität werden je nach Anwendungsbereich Batterien, Wasserstoff, synthetische Kraftstoffe oder Methan eingesetzt.

Solarzellen
Solarzellen

Und was hat der Stromkunde von diesem Wandel?
Elektrische Anwendungen werden stromsparender, über die Gerätevorschriften lässt sich einiges steuern. Gleichzeitig werden Preissignale viel schneller beim Konsumenten ankommen und genutzt. Heizen, waschen, das Elektromobil aufladen können die Kunden dann jeweils, wenn der Strom gerade sehr preiswert ist. Das heisst sie werden mit dem Ausnutzen ihrer Flexibilitäten und vielleicht auch Speichermöglichkeiten Geld sparen oder sogar verdienen können.

Kann etwas diesen VSE-Trend sabotieren – kann es also ganz anders kommen?
Unsere Einschätzungen sind dann gefährdet, wenn fossile Energien weiterhin sehr günstig bleiben und die CO2-Emmissionen nicht wirklich ernsthaft verteuert werden. Deshalb ist entscheidend, dass die Politik längerfristig die richtigen Anreize setzt, um möglichst CO2 einzusparen.

Was unterscheidet den «Trend 2035» im Jahr 2018 von derselben Prognose im Jahr 2017?
Zwei Dinge waren 2017 prägend. Das Volk hat die Energiestrategie 2050 angenommen. Klare 58% der Stimmbürger waren dafür. Zudem hat die Schweiz das Pariser Klimaabkommen ratifiziert. Beide politischen Schritte beschleunigen die Reise hin zu mehr Energieeffizienz, mehr erneuerbaren Energien und Dekarbonisierung.

Es ist entscheidend, dass die Politik die richtigen Anreize setzt, um möglichst CO2 einzusparen

Was heisst das alles für die Energieunternehmen?
Verteilnetzbetreiber und Stadtwerke werden wegen der zunehmenden dezentralen Struktur in Zukunft noch wichtiger; das gilt aber auch für die Wasserkraft. Wir sehen zudem eine starke Zunahme des Eigenverbrauchs auf Kundenseite. Kunden werden zu Prosumern – also produzierenden Konsumenten – und sie können in verschiedenen Rollen im Markt auftreten. Sie können Strom beziehen, verkaufen, lagern oder ihre Flexibilitäten anbieten. Die Preise für Photovoltaik und Batterien werden nochmals markant sinken. Und die Digitalisierung bringt uns Technologien, die weitere Möglichkeiten schaffen.

Und die konkreten Herausforderungen für die Schweiz?
Wir können uns nicht blind darauf verlassen, dass die umliegenden Länder uns immer Strom liefern können, speziell in einer regionalen Dunkelflaute. Wir müssen uns vor diesem Hintergrund bereits heute stark mit der Fähigkeit zur Eigenversorgung auseinandersetzen. Dabei ist auch die Herausforderung der «Saisonumlagerung» gross – also den überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien aus dem Sommer in den stromknappen Schweizer Winter zu bringen. Technologien wie Power-to-Gas können dabei helfen. Politisch braucht es vorausschauende Rahmenbedingungen und die Entwicklung von Märkten auf den Strom-, Gas-, und Wärmenetzen. Das bedeutet, dass insbesondere für Gas- und Stromnetze vergleichbare regulatorische Bedingungen geschaffen werden. Nur so können die Technologien kraft ihrer Vorteile gedeihen.

Berufsbildung

Berufsbildung

Bildung: VSE stellt neue Spezialisten für die neue Energiewelt

Die Strom-, Gas- und Fernwärmenetze werden in Zukunft immer stärker zusammenwachsen. Auch der Verkehr dürfte enger ins Energiesystem integriert werden – denn die Zahl der Elektroautos nimmt rapide zu. Wer in Zukunft Energienetze betreibt, muss deshalb ein ganzheitliches Verständnis für die Energieversorgung haben, so wie der Dispatcher. Diese Spezialisten verstehen unterschiedliche Energienetze – und steuern die Betriebsmittel von einer Leitwarte oder mobil von unterwegs und zuhause aus. 2017 hat der VSE den Dispatcher-Lehrgang entwickelt, in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW). Im Herbst 2017 startete der erste solche Zertifikatslehrgang.

Ebenfalls eine Premiere 2017 war der Start der Ausbildung zum ICT Security Expert, einem neuen Berufsbild, das der VSE mitentwickelt hat. Diese Experten sind die neuen Schutzpatrone für Energie-Infrastruktur, die zunehmend durch Hacker bedroht wird. ICT-Security-Experten können Datenmanipulationen abwenden – und sie können helfen, grossräumige Stromausfälle («Blackouts») zu vermeiden.

Bereits zum zweiten Mal hat der VSE 2017 den Lehrgang Energie- und Effizienzberater/in mit eidg. Diplom angeboten. Diese Generalistinnen und Generalisten begleiten Projekte im Bereich Energieeffizienz von der Idee bis zum Abschluss. Und sie kennen sich mit erneuerbaren Energien aus – etwa mit der Solaranlage auf dem Dach des Eigenheims.

Berufsbildung

Real gerüstet für virtuelle Bedrohungen

VSE-Berufsbildung auf der Höhe der Zeit

In den 80er-Jahren dürften die Zuschauer noch über die Idee gelacht haben: Ein computerbegeisterter Teenager verursacht beinahe einen thermonuklearen Krieg – im Science-Fiction-Streifen «WarGames» mit Matthew Broderick. Doch das Lachen in Bezug auf Cyber-Risiken für kritische Infrastrukturen ist uns definitiv vergangen. Spätestens, seit die Ransomware «WannaCry» Ticket-Automaten und Anzeigetafeln der Deutschen Bahn lahmgelegt hat. Wir sprechen in der Elektrizitätswirtschaft gerne von den Segnungen der Digitalisierung. Ebenso gerne wird die Sektorkopplung thematisiert – das Zusammenrücken von Strom, Gas, Wärme und Mobilität. Beide Trends lösen alte Probleme und eröffnen uns neue Geschäftsfelder.

ICTBBCH
ICTBBCH

Doch wo ist der Haken? Eine vernetzte Infrastruktur, die sich gänzlich durch Computer steuern lässt, ist nicht bloss leistungsfähig. Sie ist auch ein verletzliches Gesamtsystem mit unzähligen Eintrittspforten. Der Traum jedes Hackers, der den sogenannten «FireSale» anstrebt: Eine gezielte Attacke, die mit einem Schlag den Verkehr, die Telekommunikation und die Energieversorgung ausser Gefecht setzt. Zugegeben, solch ein Szenario ist – und bleibt hoffentlich – Zukunftsmusik. Doch Attacken wie WannaCry sind mehr als nur vereinzelte Misstöne. Solche Ereignisse zeigen uns, wo wir als Branche ansetzen müssen, um für die dezentrale und digitale Energiezukunft gewappnet zu sein. Bezüglich Hacks – das zeigt die Erfahrung – sind menschliche Makel und Indiskretionen am gefährlichsten. Jemand, der jemanden kennt, der jemandem einen Gefallen tut. Darum gilt es erstens, das Bewusstsein für Cyber Security in der Elektrizitätswirtschaft zu schärfen.

Damit das Licht erst dann ausgeht, wenn wir selber den Schalter drücken

Zweitens, und dort setzt die Berufsbildung des VSE an, müssen wir Fachleute ausbilden, welche Hackern das Fürchten lehren. In Zusammenarbeit mit dem Verband ICT-Berufsbildung Schweiz hat der VSE darum die Weiterbildung «ICT-Security Expert mit eidg. Diplom» entwickelt. Die ersten Prüfungen finden schon im August 2018 statt. ICT Security Experts bearbeiten sicherheitsrelevante Fragen im ganzen Unternehmen. Sie erkennen und bewerten Sicherheitsrisiken, definieren und koordinieren Schutzmassnahmen – und sorgen für wirksame Abwehrmechanismen. Damit das Licht zuhause erst dann ausgeht, wenn wir selbst den Schalter drücken.

Michael Frank, Direktor VSE

Berufsbildung

EEB-Interview

Kaminfeger als Energie- und Effizienzberater mit eidg. Diplom

Sie machen die wohl einzige «legale Schwarzarbeit» in unserem Land: Die Kaminfeger. Mit der Umsetzung der Energiestrategie 2050 wandelt sich ihr Berufsbild indes grundlegend. Vier Profis aus der schwarzen Gilde erklären, wie sie sich dem Wandel stellen.

EEB-Interview
EEB-Interview

Walter Tanner, Kurt Fischer, Michael Freudiger, Charly Feuz (v.l.n.r.)

Walter Tanner, Sie sind Kaminfegermeister mit einem eigenen Geschäft und Angestellten. Nun stecken Sie mitten in einer Ausbildung zum Energie- und Effizienzberater EEB. Wieso das?

Walter Tanner: Mein Job bedeutet mir alles, er ist mein Traumberuf. Doch mit der Energiestrategie 2050 und der Energiewende verändert sich unser Beruf. Wir müssen uns alle neu ausrichten. Die zweijährige Ausbildung zum EEB ist der Weg dazu.

Sie meinen, den Kaminfegern brechen gewissermassen die Kamine weg, weil Öl- und Gasheizungen zunehmend durch Wärmepumpen ersetzt werden?

Walter Tanner: Die fossilen Heizungen werden tatsächlich weniger. Doch gewisse Bereiche wie die Holzheizung dürften bleiben – und dort sind wir auch weiterhin am Kamin gefragt. Zudem sind Kaminfeger heute vermehrt in der Lüftungsreinigung tätig.

Kurt Fischer: Da möchte ich anknüpfen. Holz, das im Übrigen zu den erneuerbaren Ressourcen zählt, wird nicht verschwinden. Es ist ja auch viel mehr als nur ein Energieträger. Denken Sie an den knisternden Kamin im Winter – und dazu ein Glühwein. Im Holz stecken jede Menge Emotionen drin. Neue Brennwerttechniken binden zudem die Rückstände optimal. Holzheizungen können in diversen Fällen nach wie vor sinnvoll sein. Jedes Haus ist anders. Darum muss auch die Beratung der Kunden individuell sein.

Wir Kaminfeger müssen uns alle neu ausrichten

Michael Freudiger, wie erleben Sie diesen Kundenkontakt?

Michael Freudiger: Für mich ist das etwas vom Tollsten an meinem Beruf. Viele Leute kenne ich schon seit Jahren, etwa in den Einfamilienhäusern. Zwar herrscht im Kanton Obwalden kein Monopol, die Leute können den Kaminfeger frei wählen. Doch wir erleben, dass die Leute gerne bei «ihrem» Kaminfeger bleiben. Wir geniessen ihr Vertrauen.

Charly Feuz: Das kann ich bestätigen. Wir werden von den Kunden die verschiedensten Dinge gefragt. Neben der Heizung ist die Wärmedämmung der Gebäudehülle ein Thema. Zudem spüren die Kunden den Umbau des Energiesystems, sie interessieren sich für Alternativen zur Öl- und Gasheizung – und für die Solarenergie. Energieeffizienz ist ja für eine Familie auch ein Weg, um entscheidend Kosten zu sparen.

Kurt Fischer, ihre Kollegen beschreiben den Kaminfeger auch ohne Kurs bereits als Energie- und Effizienzberater?

Kurt Fischer: Ja, Energieeffizienz ist unsere Domäne. Dank unseren Reinigungen, Justierungen und unserer Beratung wird Brennstoff gespart. Doch unser Gebiet wird zunehmend komplexer. Wir schauen uns nicht nur die Gebäudehülle eines Hauses an, sondern auch dessen Infrastruktur. In Industriegebäuden müssen wir Trafostationen beurteilen können. Und wenn Privatkunden ihr Haus wirtschaftlich sanieren möchten, müssen wir die Energieflüsse und Wärmebrücken kennen.

Michael Freudiger: Wir möchten dem Kunden fachlich vertiefter antworten können. Dank der EEB-Ausbildung werden wir im Beruf kompetenter – und vielleicht werde ich später auch wie meine Kollegen, die ein Geschäft haben, selbstständig Energieberatungen anbieten.

Mit dem EEB-Kurs können wir das Bindeglied werden zwischen Akademikern und Praxis

Und wie kam die Zusammenarbeit zwischen Kaminfegermeisterverband und VSE zustande?

Charly Feuz: Stephan Gisi, der Geschäftsführer des Kaminfegermeisterverbandes, und VSE-Direktor Michael Frank hatten Kontakt. Auf die Ausschreibung des EEB-Kurses waren nämlich gleich mehrere Anmeldungen von Kaminfegern eingegangen.

Kurt Fischer: Für uns war das ein logischer Schritt. Für Laien ist es natürlich erst einmal eine besondere Fügung. Ich sehe dahinter folgenden wichtigen Punkt: Wir müssen nicht den Beruf des Kaminfegers neu definieren. Wir müssen ihm nur zutrauen, dass er zu vielen weiteren Tätigkeiten fähig ist.

Trotzdem werden kaum alle Kaminfeger gleich im Anschluss an ihr Diplom eine EEB-Ausbildung besuchen ...

Walter Tanner: Nein, ich sehe die Ausbildung auch nicht als für jeden geeignet. Die meisten meiner Kollegen sagen mir zu Recht «zwei Jahre und Schule am Freitag und Samstag, das ist happig». Viel innere Motivation und ein Ziel vor Augen sind die Voraussetzungen. In meinem Fall bestätigen mich die Kunden. Einige haben mich schon eingeladen, gleich bei ihnen vorbeizuschauen, wenn ich dann fertig sei. Wie gesagt: Kompetente Energieberatung ist gefragt.

Können Sie konkrete Bereiche nennen, wo Ihnen die EEB-Ausbildung bereits genützt hat? Oder Projekte, die Sie in Angriff nehmen wollen?

Michael Freudiger: Im Privaten habe ich schon mal den Standby-Verbrauch meiner Geräte gesenkt. Ob Drucker, TV, Game-Konsole, Musikanlage: Das lässt sich alles an eine Leiste hängen – und bei Nichtgebrauch gemeinsam abschalten.

Kurt Fischer: Es gibt diverse Massnahmen, die sich ohne zusätzlichen Personalaufwand einfach umsetzen lassen. Besonders im Bereich Effizienzmanagement. Unsere Akkuladestation laden wir zum Beispiel nun konsequent zu Billigstromzeiten. Und im Bereich der Gebäudehülle kann viel Energie mit geschickter Dämmung gespart werden.

Walter Tanner: Die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich, die Muken 2014, sind sicher ein gutes Beispiel. Sie beinhalten einen starken Eingriff in wärmetechnische Anlagen. Bei gewissen Häusern können Sanierungen mit bescheidenen Massnahmen erfolgen.

Charly Feuz: Ich sehe an diversen Orten grosses Marktpotenzial, durch die Kundennähe. Kantone, Gemeinde, Städte halten sich an die Energiegesetzgebung und wollen diese umsetzen. Der Private braucht jedoch seinen besonderen Ansprechpartner, da das Thema so umfangreich ist. Hohe CO2-Ziele erreichen wir nicht durchs Band über Verbote. Stattdessen braucht es einen idealen Energiemix.

Was würden Sie anderen Kaminfegern mitgeben, wenn sie nach dem EEB-Kurs fragen?

Charly Feuz: Die Ausbildung ist breit gefächert, preiswert und macht einen zum kompetenten Generalisten im Gebiet der Energie- und Effizienzberatung. Wer die Zeit oder Motivation dafür nicht hat, kann sich trotzdem weiterbilden, etwa zum Geak-Experten. Geak ist der Gebäudeenergieausweis der Kantone. Das wäre ein Einstieg in die spannende Welt der Energieberatung.

Kurt Fischer: Der EEB-Kurs des VSE gibt Kaminfegern tolle Perspektiven ausserhalb der «schwarzen Branche». Administration und Management ergänzen den körperlich strengen Beruf.

Walter Tanner: Mit dem EEB können Kaminfeger das Bindeglied sein zwischen Akademikern und der Praxis. Die Ziele der ES2050 werden durch Akademiker errechnet und definiert. Wir wiederum sind die direkten Ansprechpartner, denen der Kunde vertraut.

Michael Freudiger: Dank der Ausbildung haben wir das Rüstzeug, um Kunden vor Ort individuelle Produktvorschläge zu machen. So werden Probleme im Ansatz vermieden – und Kunden bekommen nicht die erstbeste Lösung, sondern die für sie beste. Je nach Haus und Dämmung kann zum Beispiel eine Pelletheizung sinnvoller sein als eine Wärmepumpe. Womit wir wieder beim Holz wären. Dem Stoff, der durch die allerersten Kamine zog.

Daten

Daten

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VSE bringt Ordnung in die Welt der Energiedaten

Je besser Unternehmen ihre Kunden kennen, desto genauer können sie ihre Angebote auf deren Bedürfnisse abstimmen. Daten sind der Schlüssel dazu. Michael Paulus, Leiter Berufsbildung und Technik, im Interview.

Michael Paulus, Daten gelten als «Währung des 21. Jahrhunderts». Welchen Beitrag leistet der VSE, damit diese Währung in der Strombranche ihren Wert ausspielen kann?

Unser Branchendachverband bearbeitet nicht nur den operativen sicheren und koordinierten Austausch von Daten, sondern geht auch ganz grundlegende Fragen an: Welche Grundsätze herrschen in Unternehmen bei der Verwendung von Daten? Wer hat daran welche Nutzungsrechte? Wer hat welche Interessen? Sind die Aufgaben, Rollen, Verantwortungen bei der Verwendung von Daten klar? Dafür wurde die AG Data Policy ins Leben gerufen.

Welches Ziel haben diese grundlegenden Überlegungen?

Das übergeordnete Ziel ist, die Sicherheit und den Schutz sensibler Daten zu gewährleisten. Nur wenn das garantiert ist, lassen sich Energiedaten auch wirklich geschäftlich nutzen – etwa für neue Services, die den Stromanbietern und Stromkunden Zeit und Kosten sparen. Und dafür braucht es einen geeigneten Rahmen, eine geeignete Data Policy der Energiebranche.

Es braucht einen Rahmen für Daten: eine Data Policy der Energiebranche

Mit der im Mai 2017 angenommenen Energiestrategie 2017 müssen viele neue Energieverordnungen umsetzt werden. Welchen Einfluss hat das auf Ihre Arbeit?

Die Datenfrage ist natürlich für den Bereich der intelligenten Messsysteme, der Smart Meter, besonders brisant. Die Vorgaben und Prüfkriterien für solche Messsysteme wollen genau beschrieben sein – und der Gesetzgeber stellt strenge Anforderungen an den Datenschutz. Zudem wird mehr Transparenz von den Stromanbietern gefordert. Die vollständige Deklarationspflicht etwa bedeutet, dass die Anbieter mittelfristig über die Herkunft jeder Kilowattstunde Rechenschaft ablegen müssen. Insgesamt gilt: Unsere Kommissionen müssen eine Vielzahl der VSE-Branchendokumente nach der Annahme der ES2050 auf den neusten Stand bringen.

VSE Downloadsektion

Daten

  • Die massgebenden Unternehmen des digitalen Zeitalters leben von der systematischen Sammlung, Verarbeitung und Speicherung enormer Datenmengen. Auch an der Energiebranche gehen diese Entwicklungen nicht spurlos vorbei
  • Wertvolle Daten - richtig genutzt - erschliessen neue Geschäftsfelder und ermöglichen massgeschneiderte Dienstleistungen und Produkte
  • Doch zuerst braucht es anspruchsvolle Arbeit, damit ein rechtskonformer und innerhalb der Branche möglichst einheitlicher Umgang mit den wertvollen Informationen sichergestellt wird. Hier kommt die AG Data Policy des VSE zum Zug
  • Das vom VSE erarbeitete Rahmenwerk, kurz «Data Policy», sucht Antworten auf wichtige Fragen:

Wie wird mit Nutzungsrechten an Daten umgegangen? Welche Regeln und Richtlinien sollen in Bezug auf Datenschutz und Datensicherheit zur Anwendung gelangen? Wie kann ein Data- Policy-Rahmenwerk in einem Unternehmen eingeführt und gepflegt werden?

  • Die Basis für relevante Fragen betreffend Zugang zu Daten, Umgang mit Daten und Sicherheit von Daten im Energiebereich wird in einem Dokument zusammengefasst
  • Unternehmen können damit die Strukturen für einen nachhaltigen, wertschöpfenden Umgang mit Daten aufbauen. Und sie stellen damit den Datenaustausch in der Energielandschaft sicher
  • Das Branchendokument «Data Policy» des VSE wird 2018 erarbeitet

Anlässe

Anlässe

11. Schweizerischer Stromkongress: Vorbereitet auf einen Blackout?

Bundesrat Guy Parmelin und BFE-Direktor Benoît Revaz gaben dem Stromkongress 2017 in Bern die Ehre. Die Themen «Versorgungssicherheit» und «Blackout-Risiken» prägten den Kongress. Zudem stellte der VSE sein Projekt «Energiewelten» vor. Nationalräte sechs verschiedener Parteien diskutierten die Zukunft der Energiepolitik.

Anlässe

Smart Energy 2017: Motto «Chancen ergreifen»

Welche Chancen bieten neue Technologien wie die Blockchain der Energiebranche? Am Finanz-und-Wirtschaft-Forum 2017 im Gottlieb Duttweiler Institut suchten Referenten und Teilnehmer gemeinsam nach Antworten. VSE-Direktor Michael Frank thematisierte in seiner Keynote die Herausforderung des digitalen Wandels.

Anlässe

Betriebsleitertagung BLT 2017: Wissen und Networking

Wie weiter nach Annahme der Energiestrategie 2050? Die Betriebsleitertagung in Brunnen bot praxisbezogene Referate zu aktuellen Branchenthemen; zudem viel Gelegenheit für Networking und Erfahrungsaustausch unter Branchenkollegen.

Anlässe

128. ordentliche Generalversammlung: Wahl von Präsident Michael Wider

An der 128. Generalversammlung des VSE im Kultur- und Kongresszentrum La Poste in Visp wurde Michael Wider zum neuen Verbandspräsidenten gewählt. Der scheidende Präsident Kurt Rohrbach unterstrich in seiner Abschiedsrede, dass der VSE voll hinter der Energiestrategie 2050 stehe.

Anlässe

103. Jubilarenfeier: Die treuesten Fachkräfte im Mittelpunkt

25 oder sogar 40 Jahre Betriebstreue: 390 Jubilare aus 97 Mitgliedsunternehmen ehrte der VSE in Unterägeri für ihren langjährigen beruflichen Einsatz. Danke für so viel Engagement in der Schweizer Stromversorgung!

Neue Mitarbeitende

Neue Mitarbeitende

Neue Gesichter 2017

Die folgenden Mitarbeiter sind 2017 neu zum VSE gekommen...

Kommissionsarbeit

Kommissionsarbeit

VSE-Kommissionen 2017: Geballtes Branchenwissen

In den VSE-Kommissionen sind VSE-Branchenmitglieder direkt vertreten. Hier werden grundlegende Branchendokumente und wichtige Richtlinien erarbeitet. Ob technische, finanzielle, administrative oder personelle Dienstleistungen: Die Kommissionen leisten einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung des Arbeitsumfelds, der Betriebssicherheit, Ausbildung und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Strombranche. Die Arbeit der Kommissionen widerspiegelt konsolidiertes Branchen-Know-how. Im Folgenden 3 Beispiele.

Kommissionsarbeit

Kommission Sicherheit (KoSi): Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Fokus

Die KoSi unterstützt die VSE-Mitglieder als Anlaufstelle für Fragen rund um die Themen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

Die KoSi erstellt die Sicherheitsregeln für die Branche, abgestützt auf das Bundesgesetz über die Unfallversicherung (UVG), die Verordnung über die Unfallverhütung (VUV) sowie in enger Zusammenarbeit mit der Suva.

Die KoSi stellt der Branche Werkzeuge wie das Sicherheitshandbuch (SiHaBu) zur Verfügung und unterstützt den VSE bei Tagungen, Aus- und Weiterbildungen zum Thema.

Wichtigste Arbeiten 2017

  • Die Ekas-Branchenlösung Nr. 5 für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in der Elektrizitätswirtschaft wurde überarbeitet, aktualisiert und rezertifiziert
  • Das Sicherheitshandbuch 2018 wurde erstellt: Über 200 Seiten Anpassungen und Ergänzungen auf Basis der neusten Erkenntnisse und Richtlinien
  • «Sicherheitsregeln für Arbeiten an Fernwärmeleitungen»: Erstmals erschien ein Regelwerk für Querverbundunternehmen. Kooperation des VSE mit dem Schweizerischen Verein des Gas- und Wasserfaches (SVGW)

Kommissionsarbeit

Kommission Netzwirtschaft: Alles rund um Netzzugang und Netznutzung

Die Kommission Netzwirtschaft beschäftigt sich mit finanziellen Aspekten der Netze wie der Netznutzung, den Netznutzungstarifen, dem optimalen Mitteleinsatz und ähnlichen Themen. Sie kümmert sich auch um organisatorische Belange wie die Eigenverbrauchsregelung, den Anschluss von dezentralen Speichern und sonstige Prozesse rund um den reibungslosen Zugang und die effiziente Nutzung der Elektrizitätsnetze.

Die Kommission Netzwirtschaft verfasst Branchendokumente und Themenpapiere zum Netznutzungsmodell, den Netzpreisstrukturen, der Umsetzung der Eigenverbrauchsregelung oder zum Anschluss von Netzanschlussnehmern an das Verteilnetz.

Die Kommission Netzwirtschaft beurteilt Weisungen der Eidgenössischen Elektrizitätskommission (ElCom) sowie des Bundesgerichts (BG) und des Bundesverwaltungsgerichts (BVG).

Wichtigste Arbeiten 2017

  • Eigenverbrauchsgemeinschaften: Analyse und Interpretation der Verordnungen zur ES2050 – im Hinblick auf solche Zusammenschlüsse von Produzenten und Konsumenten
  • Themenpapier zu einem ganzheitlichen Netzkostenmodell, das die neuen Entwicklungen rund um Eigenverbrauch und Speicher miteinbezieht
  • Beobachtung und Beurteilung der weiteren regulatorischen Entwicklungen, insbesondere aufgrund der Revision StromVG, der Strategie Stromnetze und der energiepolitischen Entwicklungen (besonders das 1. Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050). Neben tarifierungsrelevanten Themen stehen hier die Eigenverbrauchsregelung, die Liberalisierung des Messwesens, die Arealnetze sowie der Umgang mit Flexibilitäten im Vordergrund.
  • Beobachtung des europäischen Umfelds, insbesondere der Aktivitäten des Eurelectric DSO-Committee

Kommissionsarbeit

Kommission EVU-TSO: Bindeglied zwischen der Swissgrid und den übrigen Energieversorgern

Die Kommission EVU-TSO diskutiert alle relevanten Themen an der Schnittstelle zwischen den Elektrizitätsversorgungsunternehmen (Verteilnetzbetreiber, Kraftwerksbetreiber, Bilanzgruppen etc.) und dem Übertragungsnetzbetreiber Swissgrid.

Die Kommission EVU-TSO befasst sich insbesondere mit der Überwachung, Mitgestaltung, Umsetzung und Entwicklung der ENTSO-E Network Codes, die Anschluss- und Netznutzungsbedingungen am Höchstspannungsnetz sowie um die Koordination der betrieblichen Themen der Verteilnetzbetreiber (VNB), die am Höchstspannungsnetz angeschlossen sind.

Wichtigste Arbeiten 2017

  • Erarbeitung des Themenpapiers 39, «Umgang mit ENTSO-E Network Codes». Dieses Dokument beschreibt den Prozess zur Beurteilung der Umsetzung oder Nicht-Umsetzung der einzelnen Punkte dieser europäischen Vorgaben
  • Die überarbeiteten Allgemeinen Bedingungen zum Netzanschluss sowie der überarbeitete Netzanschlussvertrag der Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid wurde diskutiert
  • Swissgrid wurde bei der Überarbeitung des Konzepts zur Spannungshaltung unterstützt

Facts & Figures zum VSE